Individualität ist das einzige Ideal, das noch übrig bleibt in einer Gesellschaft, in der alle und alles grau ist. Doch gerade darin, dass jeder anders sein will, jeder er selbst und etwas anderes sein will, sich von den anderen unterscheiden will, damit seine Existenz wahrgenommen wird, gleichen sie sich letztendlich doch. Individualität geht unter in einem Meer von Regeln und Normen, in der Gesellschaft und den Massen, in den Städten die Lärm und Dampf ausspucken als würden in den Fabriken Menschen gemacht statt Produkte für Menschen.
Ein einzelner Mensch spielt keine Rolle. Ein einzelner Mensch fällt gar nicht auf. Ein einzelner Mensch fällt auf die Nase, und niemand fängt ihn auf.
"Wer bin ich?" ist die Frage, die über allem steht. In rot sehe ich sie auf dem Spiegel stehen, sehe nur Fragen aber sehe nicht mich. Wer bin ich? ist schon lang keine Frage mehr. Das ist meine Identität.
Die allgemeine Verlorenheit der Menschen ist nur ein Ergebnis davon. In einer Welt, die nur fordert und hohe Erwartungen stellt, die ich nicht erfüllen kann und nicht erfüllen will, wächst in mir der Wunsch, zumindest irgendetwas zu können, wenn man schon sonst nichts kann. Der Wunsch, mich fallen zu lassen, in dem Wissen dass mich niemand auffängt. Immer wieder. Grenzen überschreiten, die endgültig sind. Weiter gehen, als andere gegangen sind. Auf der Suche nach vergessen. Auf der Suche nach Leben. Auch wenn nur für einen kurzen Moment. Das ist es wert. Mich dafür kaputt zu machen ist es wert. Zumindest in diesen Augenblicken. Fallen. Und das Fallen genießen, statt den Aufprall zu fürchten.
Lachen quillt aus meinem Mund, als hätte es sich da ewig lang angestaut. Zu viel Alkohol und Medikamente, zu wenig Schlaf, fast nichts gegessen. Keine Kontrolle mehr über den Körper, doch das ist nicht wichtig. Alles dreht sich, doch Karussell fahren ist lustig. Die Welt steht Kopf wenn ich auf dem Boden liege. Doch ich fühle keinen Schmerz mehr, ich fühle nichts außer Leichtigkeit und Lachen. Der Rest ist verschwunden, für einen Moment kann ich vergessen wer ich bin. Ich fühle die Welt, fühle dass ich da bin, fühle dass das ein Stück leben ist, und es fast nah genug ist, um danach zu greifen. Fast.
Immer wieder.