Samstag, 16. März 2013

nicht gewolltes Kind

Nicht gewollt. Unerwünscht. Das ist es, was ich bin. Was ich schon immer war. Ein Unfall. 

Die Geschichte der Lieblosigkeit: Meine Mutter lässt sich scheiden, ihre erste Ehe. Nur ein paar wenige Monate danach: Meine Eltern lernen sich im Urlaub kennen. Nachdem sie zurück kommt, ist sie schwanger. Sie heiratet meinen Vater. Doch sie passen nicht zusammen, es ist eine reine Zweckgemeinschaft, von beiden Seiten. Eisige Kälte in unserem Haus, in jedem einzelnen Wort. 

All die Jahre lässt sie mich ihren Hass spüren. 

Ich weis nicht, wie ich damit umgehen soll. Klar, ich habe es gewusst, irgendwie. Aber dennoch ist es irgendwie ein Schock. Meine Mutter ist ein Mensch, der am besten niemals ein Kind bekommen hätte. Eigentlich sollte es mich gar nicht geben.

Ich stehe vor dem Spiegel, betrachte mich selbst, lange und ausgiebig. Mein Blick wandert über das lange, helle Haar, über die Augen, die Nase, den Mund. Das bin ich. Das sind nicht meine Eltern. Ich finde sie darin nicht wieder. Und das erleichtert mich. Mein Blick wandert weiter. Über die Schlüsselbeinknochen, die Arme, die Rippen die man selbst durch das T-Shirt herausstehen sieht. Du bist noch lange nicht dünn genug. Die Beine, die Kleidung. Alles bin ich. Und alles an mir ist verachtenswert. Am allermeisten mein dummes Herz. Denn es tut weh. Es tut immer noch weh.
 Es tut weh, wie sie mit mir umgegangen sind, mit mir umgehen. Was sie aus mir gemacht haben. Ein kaputtes, körperlich und psychisch krankes Wesen. 

Am liebsten würde ich einfach aufhören zu existieren. Augen schließen, und nie mehr atmen. Ein einziges Mal die Gedanken in mir zum Stillstand bringen. Ich hasse mich. Hasse mich so sehr, für das was ich bin. Und für das was ich empfinde. Warum kann ich sie nicht hassen? Warum hasse ich nur mich selbst? 
Die Klinge schneidet durch meine Haut wie durch Butter. Warm und rot fließt es aus mir heraus. Der Schmerz verschafft mir Erleichterung. Für diesen einen Moment. Tief. Es tut weh. Doch ich habe es verdient. Das und noch viel mehr.

Das bin nur ich.

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