Sonntag, 24. März 2013

Zu viele Erinnerungen


Es ist schmerzhaft, in den eigenen Erinnerungen zu wühlen. Mein Zimmer ist ein einziges Chaos, doch ab und an muss ich mal aufräumen, und ich sitze dazwischen. Zwischen all den Schachteln und Kisten, all den Dingen, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben, weil ich jemand bin der nur sehr schwer etwas wegschmeissen kann. Und trotzdem hasse ich die Sachen. Es kleben zu viele Erinnerungen daran. Schmerzhafte Erinnerungen. An eine Kindheit voller Traurigkeit und Tränen. Vor mir liegen Bruchstücke meines Lebens. Nein, des Lebens eines Mädchens, das ich nicht mehr bin. Das ich auch damals nicht wirklich war. Denn was ich war und bin, das liegt in mir, das bekommt niemand in der Welt zu sehen. Alle sehen nur die tausend Masken. Alle sind Gäste meines kranken Maskenballs. Ein Spiel. Mein Leben ist und war schon immer ein Spiel für mich. Das ist die einzige Möglichkeit für mich, es auszuhalten. Es ist ein Spiel. An die eigenen Grenzen gehen, und darüber hinaus.

Am liebsten würde ich all die Dinge einfach weg werfen. Doch ich kann nicht. Ich bin, was das angeht, sehr paranoid, weil meine Mutter früher all meine Sachen weggeworfen hat. Meine Lieblingsspielsachen, wenn sie der Meinung war ich wäre zu alt dafür und müsse langsam ‚erwachsen‘ werden. Meine Kleidung, wenn sie der Meinung war, dass sie hässlich ist, oder einem hässlichen dicken Mädchen nicht steht.
Heute passen mir die Sachen von damals immer noch, die wenigen die ich noch habe. Kleidung für 8-Jährige, in denen ich, wenn ich in den Spiegel schaue, meine Rippen zählen kann. Es ist lange her, dass ich acht war.

Das Mädchen, dem all diese Sachen gehören, ist schon lange tot. Ich bin nicht mehr da. Ich bin zu oft gestorben. Zu oft kaputt gegangen. Es fühlt sich an, als würde ich in den Erinnerungen einer anderen wühlen, obwohl ich weis, dass es die meinen sind.
Ein seltsames Gefühl.
Ich will das alles nicht. Ich will nicht mehr ich sein müssen. Ich will nicht mehr mit all dem Leben müssen, was passiert ist. Aber ich habe sonst nichts. Ich bin leer. Ich bin ein seelenloses Etwas, in dessen Augen sich nichts als Leere und so tiefe Traurigkeit spiegelt, dass die Menschen davor zurückschrecken. Denn sie spüren die Dunkelheit in mir.

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